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Wie sicher ist nfp? Was tun in der fruchtbaren Zeit

Wenn man sich strikt an die Regeln hält, ist die Schwangerschaftsrate äußerst gering und NFP damit genauso sicher wie die Pille. Bei der seit 1984 an der Universität Düsseldorf zu dieser Methode laufenden Sicherheitsstudie wurden bisher bei 14870 Zyklen nur 3 unbeabsichtigte Schwangerschaften festgestellt, die auf das Versagen der Methode zurückzuführen sind. Das entspricht einer Methodensicherheit von 0,26 (Pearl-Index). Damit liegt die Sicherheit der sympto-thermalen Methode bei richtigem Gebrauch zwischen Pille und Spirale. Alle drei Schwangerschaften entstanden durch Verkehr in der durch die Methode definierten unfruchtbaren Phase am Zyklusanfang (Tag 5). Das ist auch der Grund, warum manche Paare, die eine Methodensicherheit wünschen, die an die Null heranreicht, ihren Verkehr auf die unfruchtbare Zeit nach dem Eisprung beschränken.

Zu Beachten für eine sichere Anwendung:

:: Einhalten der Regeln
:: Motivation der Partner (Kinderwunsch: ja oder nein)
:: Richtige Auswertung der Zyklen
:: Gute Beratung

Übersicht über den Pearl Index verschiedener Verhütungsmethoden

Verhütungsmethode    Pearl-Index
Verhütungsstäbchen (Implanon)<0,1
Sterilisation des Mannes0,1
Kupferkette0,1 - 0,3
Hormonspirale0,05 - 0,1
Sterilisation der Frau0,2 - 0,3
Pille 0,1 - 0,9
Dreimonatsspritze 0,2 - 0,5
Minipille 0,4 - 3
Vaginalring (Nuvaring) 0,65
Mikrocomputer: Temperaturmessung 0,6 - 3,5
Symptothermale Methode (Rötzer-Methode) 0,3-2,2
Verhütungspflaster0,88
Spirale 0,05 - 3
Basaltemperaturmethode 0,8 - 3
Lea Contraceptivum 2 - 3
Pessar 1 - 20
Kondom 2 - 12
Pille danach 2 - 25
Portiokappe 6
Verhütungsschwamm 5 - 10
Kondom für die Frau 5 - 25
Vaginalfilm 6
Mikrocomputer: Hormonmessung (Persona) 6
Chemische Verhütungsmittel 3 - 21
Coitus Interruptus 4 - 18
Zervixschleim-Methode (Billings-Ovulationsmethode) 5 - 32
Kalendermethode 15-30
Keine Verhütung 85

Welche Faktoren beeinflussen die Sicherheit?


Die Sicherheit von NFP hängt in hohem Maße vom Verhalten des Paares ab. Die meisten unbeabsichtigten Schwangerschaften entstehen dadurch, dass man sich nicht an die Regeln hält oder mal was "riskiert" in der eigentlich als fruchtbar definierten Zeit. Dies bezeichnet man als Gebrauchssicherheit. Sie liegt bei der Symptothermalen Methode bei einem Pearl Index von etwa 2.2. Forscht man etwas genauer nach, ergibt sich dabei aber vor allem ein Zusammenhang zwischen latentem Kinderwunsch (bei Hausfrauen z.B. "ein Kind wäre nicht so schlimm") und Verhütungsmotivation. D.h. ist frau bereit, eine Schwangerschaft in Kauf zu nehmen, "schludert" frau auch eher mit der Auswertung. In der Hochlage der Temperatur nach dem Eisprung ist die Empfängniswahrscheinlichkeit gleich Null. Es ist in den bisherigen Studien nie zu einer Schwangerschaft in diesem Abschnitt des Zyklus gekommen. Wenn frau die fruchtbare Zeit richtig bestimmt, ist die Methode sehr, sehr sicher.

Wichtig:
Immer wieder hört man reißerische Meldungen über angebliche Mehrfachovulationen (Mehrfach Eisprünge) bei Frauen, die NFP zu einem russisch Roulette machen würden. Das stimmt so nicht. Es wurden lediglich mehrere Wellen beim Follikelreifen festgestellt. Gesprungen ist im Endeffekt jedoch nur eine Eizelle (bei zweieiigen Zwillingen eine zweite innerhalb kürzester Zeit danach). Eine Klarstellung von Prof. Rötzer findet sich hier:
Mehrfachovulation

Alle diese Meldungen sind von Leuten verbreitet worden, die sich entweder nicht mit NFP auskennen oder aber die Pille hervorheben wollen. Hier noch mal einige Internationale Studien, die die Sicherheit von NFP bestätigen:


Prof. Döring, Deutschland 1967: 11352 Zyklen mit 8 unbeabsichtigten SS (Pearl 0.8) (das war strenge Temperaturmethode mit nur Verkehr nach dem Eisprung).
Dann noch Döring, Erweiterte Temperaturmethode (Verkehr auch in den ersten Zyklustagen (Minus-8-Regel): 48214 Zyklen mit 125 unbeabsichtigten SS (Pearl 3,1).

Vollmann, Schweiz (1975): 31570 Zyklen mit 7 unbeabsichtigten SS (Pearl 0.26) (Minus-20-Regel+ Temperaturmethode).

Rötzer, Österreich (1968/1978): 17026 Zyklen 12 unbeabsichtigte SS (Pearl 0.8) (Rötzer Methode, sehr ähnlich symptothermal).

Barbato und Bertolotti, Italien (1986): 8140 Zyklen 25 unbeabsichtigte Schwangerschaften (allerdings wurde für den Zyklusanfang eine Minus-19-Tage Regel angewendet) (Pearl 3.6).

Multicenter Studie, Europa (1993): 3208 Zyklen mit 7 unbeabsichtigten SS (Pearl 2.6) bei symptothermaler Methode.
4196 Zyklen mit 8 unbeabsichtigten SS bei symptothermaler Methode+ Barriermethoden in der fruchtbaren Zeit (Pearl 2.3).


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Artikel aus der medical tribune:
18 Jahre auf dem Prüfstand

Wie sicher ist natürliche Familienplanung?

Gynecol Tribune Bericht

SANTIAGO DE CHILE - Werden die "Verkehrsregeln" bei der symptothermalen Methode zur natürlichen Familienplanung (NFP) strikt befolgt, scheint der Pearl-Index so niedrig zu sein wie bei "Pille" und Spirale. Kleinere Nachlässigkeiten bleiben zwar meist folgenlos. Schwere Regelverstöße jedoch führen bei dieser Kontrazeptionsmethode ziemlich zuverlässig zur Schwangerschaft.

Die Berechnung des Eisprungs nach Knaus und Ogino in Kombination mit den Schleimsymptomen, dem Messen der Aufwachtemperatur und eventuell einer Eigenkontrolle des Zervixstandes ist für eine zunehmende Anzahl von Frauen eine Alternative zur hormonellen Verhütung. Wie sicher diese Alternative vor einer ungewollten Schwangerschaft schützt, evaluiert seit 18 Jahren die "Arbeitsgruppe Natürliche Familienplanung" an der Düsseldorfer Universität.

Nur fruchtbare Tage bestimmen?
Nach den Erfahrungen des Leiters der Arbeitsgemeinschaft NFP, Professor Dr. GÜNTER FREUNDL vom Städtischen Krankenhaus Düsseldorf-Benrath, wird NFP mit" und "ohne" praktiziert. Mit anderen Worten: Ein Teil der Frauen und Paare bestimmt nach den Vorgaben von NFP ausschließlich die fruchtbaren Tage und ist dann abstinent. Andere unterstützen die Methoden der NFP regelmäßig durch mechanische Hilfsmittel, berichtete Prof. Freundl auf dem FIGO-Weltkongress.

Die "perfekten" NFP-Anwender unterscheiden sich zudem von den nichtperfekten" durch eine konsequente sexuelle Abstinenz während der fertilen Phase. Die "nichtperfekten" verzichten hingegen auch während der fruchtbaren Tage nicht auf sexuellen Kontakt bis hin zum Geschlechtsverkehr.

Hohe Sicherheit auch für Anfängerinnen
Frauen, die über die Arbeitsgemeinschaft NFP zur natürlichen Verhütung kommen, werden zu Beginn in vier bis fünf Seminaren in die Methode eingewiesen und im Erkennen der körperlichen Signale geschult. Etwa die Hälfte der Frauen wird von ihren Partnern zu diesen Seminaren begleitet. In Verbindung mit Schulung und der entsprechenden Motivation der Partner ist die NFP eine Verhütungsmethode, die auch "Anfängerinnen" ein hohes Maß an Sicherheit bietet. Das zumindest geht aus den Zahlen hervor, die Prof. Freundl auf dem FIGO-Kongress zu einer kürzlich abgeschlossenen prospektiven Studie mit 1193 Frauen und mehr als 20 000 Zyklen vorstellte. Wird die NFP "perfekt" angewendet, d.h., es kommt während der fertilen Tage zu keinem intimen Sexualkontakt, beträgt während der ersten fünf Jahre die Schwangerschaftsrate pro Jahr 0,74 %. Wenden die Paare die "nichtperfekte" Methode der NFP an und verhüten bei sexuellem Kontakt nur während der riskanten Zyklustage, dann steigt die Schwangerschaftsrate auf 0,97 %.

Schwere Fehler werden nicht verziehen
Dabei macht es nach Worten von Prof. Freundl keinen Unterschied, ob die Frauen erfahren in NFP sind oder sorgfältig agierende Neulinge. Eines allerdings, das wurde in der Studie auch klar, verzeiht die NFP nicht: Schwer wiegende methodische Fehler, wie etwa ungeschützten Verkehr während der fertilen Tage. Egal ob Coitus interruptus oder anderer Genitalkontakt - bei ungeschütztem Liebesakt steigt die Schwangerschaftsrate auf 7 %. Bei den 1193 Anfängerinnen, die NFP praktizierten, kam es zu 49 ungeplanten Schwangerschaften, davon ereigneten sich 46 Schwangerschaften in den ersten fünf Jahren. Von den 421 Frauen, die überwiegend mit NFP verhüteten, wurden 20 schwanger. In der Gruppe der 682 Frauen, die zusätzlich noch mechanische Hilfsmittel anwandten, traten 26 ungeplante Schwangerschaften auf.


Gynecol-Tribune, Ausgabe 5/6 / 2004 S.5, gb

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Computer, Atemtest, Taschenmikroskop ...

Wie gut lässt sich ohne Pille verhüten?

Medical Tribune Bericht

DÜSSELDORF - Drei von fünf Frauen verzichten bei der Verhütung bewusst auf die "Pille". Sie kontrollieren stattdessen lieber Zervixschleim, Basaltemperatur, Hormone im Urin oder CO2 in der Atemluft. Doch wie verlässlich sind diese Verhütungsmethoden?
Für Frauen, die auf die Pille verzichten, sich aber auch nicht nur auf Basaltemperatur und eigenes Körperempfinden verlassen möchten, gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von alternativen Verhütungstechnologien. In der Laienpresse werden derartige Geräte meist sehr positiv dargestellt, schreibt Professor Dr. Günter Freundl vom Städtischen Krankenhaus Düsseldorf-Benrath in der Zeitschrift "Der Gynäkologe". Aber stimmt das auch? In einer prospektiven Beobachtungsstudie untersuchte der Frauenarzt in Zusammenarbeit mit der Stiftung Warentest, wie effektiv Zyklusmonitore und die symptothermale Methode den Fruchtbarkeitszeitraum im Zyklus der Frau tatsächlich vorhersagen.

Technik nicht besser als Frauen-Erfahrung
Unter die Lupe genommen wurden dabei drei Computerthermometer, ein Hormoncomputer und drei Speichelmikroskope, die mit natürlicher Familienplanung - z.B. mit Basaltemperatur und Schleimkonsistenz - verglichen wurden. In vier Gruppen wendeten jeweils 15 klinisch gesunde Probandinnen je zwei unterschiedliche Systeme gleichzeitig über mindestens 15 Zyklen an. Ärztlicherseits kontrollierte man die Zyklenverläufe mit Sonographien der Follikel und LH-Bestimmungen.

"Alle untersuchten Geräte zur Empfängnisverhütung konnten die fruchtbaren Tage nicht zuverlässiger voraussagen als eine Frau, die gelernt hat, ihren eigenen Zyklus zu beobachten", erklärte Prof. Freundl gegenüber Medical Tribune. Frauen, die auf die natürliche Familienplanung vertrauten, erzielten an keinem fruchtbaren Zyklustag ein falsch-negatives Ergebnis und verzichteten "nur" an 25 % der infertilen Tage wegen falsch-positiver Ergebnisse unnötigerweise auf ungeschützten Sex.

Am ehesten Temperaturcomputer
Wenn man unter den Geräten dennoch ein Ranking vornehmen möchte, dann wären seiner Meinung nach am ehesten die Temperaturcomputer zu empfehlen. Zu einem Hormoncomputer kann man nur Frauen raten, die zwar grundsätzlich verhüten wollen, aber es auch nicht so schlimm fänden, dennoch schwanger zu werden. Besser geeignet sind diese Geräte nämlich, um bei Kinderwunsch die besonders fruchtbaren Tage zu erfassen. Schleimmikroskope sind so unzuverlässig, dass Prof. Freundl sich wundert, dass sie nicht längst vom Markt genommen wurden, zumal diese in den USA ohnehin nur an Frauen mit Kinderwunsch verkauft werden.

Zwei weitere technische Methoden der Empfängnisverhütung wurden von Prof. Freundl absichtlich nicht in die Studie aufgenommen: der CUE-Fertility-Monitor und Geräte, die den progesteronbedingten präovulatorischen pCO2-Abfall in der Atemluft messen. Ersterer misst den Widerstand im Speichel und in der Scheidenflüssigkeit, der periovulatorisch ansteigt. In Studien wurden teils sehr gute, teils wenig überzeugende Ergebnisse erzielt, was daran liegen kann, dass wohl nicht in allen Zyklen überhaupt ein Cue-Peak auftritt. In dieser Studie wurde das Monitoringverfahren u.a. aber schon deshalb nicht aufgenommen, weil es in Deutschland ohnehin nicht auf dem Markt ist.

Geräte, die den pCO2-Abfall in der Atemluft messen, hat der Gynäkologe in der Untersuchung ebenfalls nicht berücksichtigt, da sie sich laut Prof. Freundl nur für die Planung von periovulatorischen Maßnahmen bei Kinderwunsch eignen. Denn der pCO2 fällt erst kurz vor dem Eisprung, so dass die Information für Paare, die vielleicht noch tags zuvor Geschlechtsverkehr hatten, möglicherweise zu spät kommt.

Studienergebnisse im Überblick:

Hormoncomputer
Mit dem Hormoncomputer "Persona" sollen durch Urinteststreifen der Estradiol- und der LH-Anstieg im Urin gemessen und die Zyklusverläufe in einem Programm erfasst werden. Die Frau muss nur den Menstruationsbeginn eingeben und das Gerät jeden Morgen aufklappen. Dieses fordert die Anwenderin an bestimmten Tagen auf, einen Streifenurintest durchzuführen, und zeigt mit einer grünen Lampe die fruchtbaren und mit einer roten die unfruchtbaren Tage an. In der vorliegenden Studie kam es dabei an 21 % der fertilen Zyklustage zu falsch-negativem Testbefund, d.h., es leuchtete die grüne Lampe, obwohl es sich um fruchtbare Tage handelte. Falsch-positive Testergebnisse traten an 23 % der infertilen Tage auf.

Temperaturcomputer
Von den auf dem Markt befindlichen Temperaturcomputern testete Prof. Freundl drei: "Babycomp/Ladycomp" lieferte an 5 % der fertilen Tage falsch-negative Ergebnisse, die zu einer ungewollten Schwangerschaft hätten führen können. An 29 % der infertilen Zyklustage gab es einen falsch-positiven Befund. Beim "Cyclotest 2" Plus waren dies 1,7 % bzw. 40 %, bei "Bioself" 2000 7 % bzw. 54 % der Tage.

Schleimmethoden
Bei den Fertilitätsmonitormethoden, die sich auf den Zervixschleim konzentrieren, unterscheidet man Rovumeter, die die Menge messen, und Minimikroskope, die nach dem Kristallisationsphänomen fahnden. Da bei früheren Untersuchungen viele der Studienteilnehmerinnen Rovumeter "unpraktikabel" fanden und sich weigerten, diese zu benutzen, nahm man die Schleimmengenmesser in die vorliegende Studie gar nicht erst auf. Von den Minimikroskopen testete Prof. Freundl drei, die jedoch allesamt schlecht abschnitten: "PG 53" führte an 73 % der fertilen Tage zu falsch-negativen Ergebnissen und in 6,6 % der infertilen Tage zu falsch-positiven. Frauen, die das "Gerät PC 2000" verwendeten, hätten an 58 % der fertilen Zyklustage eine Schwangerschaft riskiert und an 11 % unnötigerweise auf ungeschützten Sex verzichtet. Bei "Maybe Baby" waren dies 51 % bzw. 23 %.

MTD, Ausgabe 24 / 2004 S.6, Rd - Günter Freundl, Gynäkologe 2003; 36: 1099 - 1110
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Vor 75 Jahren wurde die Knaus-Ogino-Methode veröffentlicht

"Da wurden viele ungeplant schwanger"

veröffentlicht: 16.07.04 - 09:26

Bis zur Entdeckung von Knaus und Ogino glaubte man, Frauen seien allzeit empfängnisbereit. Frankfurt/Main (rpo). Bei Tieren ist die Sache recht einfach, die Männchen erschnüffeln, wann die Angebetete fruchtbar ist. Weil das bei den Menschen so nicht der Fall ist, ging man lange Zeit davon aus, Frauen seien allzeit empfängnisbereit. Bis vor 75 Jahren Hermann Knaus und Kyusaku Ogino fast zeitgleich eine Entdeckung machten. Dass es bestimmte Zeiten im Monatszyklus einer Frau gibt, an denen sie schwanger werden kann, hat erstmals der österreichische Frauenarzt Hermann Knaus vor 75 Jahren auf einem Gynäkologenkongress in Leipzig nachgewiesen. Er konnte zeigen, dass Frauen jeden Monat fruchtbare und unfruchtbare Tage haben.

Etwa zeitgleich machte auch der Japaner Kyusaku Ogino diese Entdeckung. Für die Fachwelt war die Erkenntnis eine Sensation. "Bis dahin hatte man geglaubt, dass Frauen jederzeit schwanger werden können", sagt Günter Freundl, Leiter der Forschungsgruppe für Natürliche Familienplanung (NFP) an der Universität Düsseldorf.

Knaus und Ogino hatten beobachtet, dass meist 12 bis 16 Tage vor der Monatsblutung der Eisprung stattfindet und die Frau nur für kurze Zeit empfängnisbereit ist. Diese Erkenntnis wurde dann schnell zur Familienplanung genutzt.

Eine reine Kalendermethode

Hier sollte die so genannte Knaus-Ogino-Methode helfen. "Es handelt sich dabei um eine reine Kalendermethode", sagt Freundl. Die Frau muss mindestens ein Jahr lang in einem Kalender alle Daten über ihre Menstruation vermerken. Wird dann der längste und kürzeste Monatszyklus bestimmt, können theoretisch daraus die fruchtbaren Tage berechnet werden.

Doch wer mit der Knaus-Ogino-Methode ungewünschten Nachwuchs vermeiden will, kann unter Umständen aus allen Wolken fallen. "Da wurden viele ungeplant schwanger", sagt Angela Seiler von Pro Familia in Pforzheim. Denn zahlreiche Einflüsse wie Krankheit, Alter oder Stress können den monatlichen Zyklus beeinflussen, so dass die Berechnung nach der Kalendermethode nicht mehr stimmt.

"Die Knaus-Ogino-Methode ist zur Vermeidung einer Schwangerschaft daher viel zu unsicher", sagt Freundl. Die mangelnde Sicherheit drückt sich auch in dem so genannten Pearl-Index aus. Dieser beträgt bei dem Verfahren etwa 15 bis 38. Dies bedeutet, dass von 100 Frauen, die innerhalb eines Jahres regelmäßig Geschlechtsverkehr haben, 15 bis 38 schwanger werden, wenn sie die Knaus-Ogino-Methode anwenden. Bei der Pille beträgt der Pearl-Index dagegen nur 0,2 bis 0,7.

Motiv: Weg von der Pille

Auch wenn die Kalendermethode nicht mehr angewandt wird, haben sich aus den Erkenntnissen von Knaus und Ogino neue Methoden einer natürlichen Familienplanung (NFP) entwickelt, die teilweise fast so sicher sind wie die Pille. Insgesamt nutzen derzeit etwa sechs bis sieben Prozent aller Frauen NFP-Methoden, um eine Schwangerschaft zu vermeiden.

"Gerade die sympto-thermale Methode ist hier zu nennen", sagt Freundl. Dabei misst die Frau die morgendliche Körpertemperatur und trägt den Wert in eine Liste ein. Außerdem beobachtet sie ihren so genannten Zervixschleim, eine Absonderung am Scheideneingang. Eine leicht erhöhte Temperatur und ein Fäden ziehender Zervixschleim sind Körperzeichen für die fruchtbaren Tage der Frau. Um eine Schwangerschaft zu vermeiden, muss dann auf Geschlechtsverkehr verzichtet oder in dieser Zeit eine andere Verhütungsmethode angewendet werden.

Die NFP-Methoden nutzen laut Seiler vor allem gesundheitsbewusste, gebildete Paare ab dem 30. Lebensjahr. Viele Frauen wollten keine Chemie im Körper und weg von der Pille. "Bei der sympto-thermalen Methode nehmen die Frauen auch viel mehr ihren Körper wahr", sagt Freundl, der in einer Langzeitstudie die Daten von mehr als 1.800 Frauen ausgewertet hat, die Erfahrung mit NFP-Methoden haben.

Bei Jugendlichen ist laut Seiler NFP aber kein Thema. Oft werde bemängelt, dass der Geschlechtsverkehr nicht mehr beliebig oder an den fruchtbaren Tagen nur mit anderen Verhütungsmethoden durchgeführt werden könne. Außerdem müsse man fähig sein, die fruchtbaren Tage sicher zu berechnen, andernfalls drohe eine Schwangerschaft. "Auch bei Wochenendbeziehungen kann die NFP-Methode zu einer großen Belastung werden", sagt Seiler. Denn fallen die fruchtbaren Tage auf das Wochenende, ist spontaner Geschlechtsverkehr nicht möglich: "Das kann schnell in Frust enden."

Quelle: http://www.rp-online.de _____________________________________________________________________________________________________


Was tun in der fruchtbaren Zeit?

Bei vielen Paaren besteht auch in der fruchtbaren Zeit der Wunsch nach sexuellem Kontakt. Besonders da die Frau in der Zeit um den Eisprung besonders viel "Lust" verspürt. Bei der "konventionellen" Form der NFP geht man von sexueller Enthaltsamkeit während der fruchtbaren Tage aus. Es wird das Zusammensein der Partner, ohne Verkehr, in den Vordergrund gestellt.

Das ist heute oft nicht mehr zeitgemäß. Daher wenden viele Paare in der fruchtbaren Zeit zusätzliche Barrieremethoden zur Verhütung an. Oft wird dabei aber die hochfruchtbare Zeit mit S+ Schleim aber ganz ausgespart. Denn in der fruchtbaren Zeit hat man den Pearl Index der jeweiligen Verhütungsmethode (Bsp. Kondom Pearl Index 2-12). Es gibt eine Reihe von Barrieremethoden wie : Lea, Diaphragma, Femidom, Portiokappe, Femcap, Kondom, Scheidenzäpfchen. Oft kann man sie auch noch mit spermizidabtötendem Gel versehen (es gibt auch Rezepte auf Zitronensäurebasis, die die Spermien nur lähmen und für die Frau besser verträglich sind). Um eine möglichst große Sicherheit zu erreichen, für Paare, die auf gar keinen Fall eine Schwangerschaft riskieren wollen, kann man ein Diaphragma oder ein Lea mit Kondom kombinieren. Bei Lea, Diaphragma oder Femcap merkt man nicht, wenn Spermien sich dran vorbei "schmuggeln". Falls was mit dem Kondom passiert, merkt man das schon!
Das Paar muss dabei selbst entscheiden, wie viel Risiko es bereit ist einzugehen und welches Verhütungsmittel geeignet erscheint. Die verschiedenen Barrieremethoden können in der ProFamilia Beratungsstelle oder beim Frauenarzt angepasst werden. Das sollte man auf jeden fall wahrnehmen, um die richtige Größe und damit auch die bestmögliche Sicherheit zu bekommen.
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